User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

mich hat der kontrast...
mich hat der kontrast - heute und rückblick -...
Sofasophia - 17. Mai, 12:53
Danke für das Herauslesen...
Danke für das Herauslesen dieses Aspektes, der...
Weberin - 17. Mai, 09:47
Tatsächlich hat...
Tatsächlich hat die Geschichte ihren Ursprung...
Weberin - 17. Mai, 09:45
Der Marienkäferabsatz...
Der Marienkäferabsatz hat tatsächlich viel...
Weberin - 17. Mai, 09:44
LustHaus
"dass es nichts gibt, das wirklich ist außer...
Samara-M - 17. Mai, 08:12
Ein Arrangement und die...
Ein Arrangement und die Bezahlung dessen. Wie im Film.
schneck08 - 16. Mai, 00:45
Liebe Weberin, wie gerne...
Liebe Weberin, wie gerne ich diesen Text von Dir gelesen...
haushundhirschblog - 14. Mai, 22:59
stundenlang könntest...
stundenlang könntest du von deinen schenkeln erzählen...
bonanzaMARGOT - 13. Mai, 18:38

Web Counter-Modul

Unsichtbar Spinnen

Zeitnetz_Weberin@gmx.net

Archiv

Mai 2012
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 5 
 6 
 7 
 8 
10
11
12
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

Sonntag, 13. Mai 2012

Hinter Glas

Ich bin allein mit der Stille des Raums. Draußen bricht die Nacht an. Das Sofa, auf dem ich die nächsten Stunden verbringen werde, ist in Licht gehüllt. Die Tür steht offen. Ich lege mich auf den blauen Diwan und spreize die Beine. Meine nach außen fallenden Schenkel formen ein weißwandiges Rechteck. Mich umhüllt künstliches Licht. Mondweiße Haut, aschblondes Haar. Mein Kopf liegt auf weißem Leinen, der Rest auf blauem Samt.
Die Innenseiten meiner Schenkel sind besonders weich und noch heller als die übrige Haut. Nur ich kann sie sehen. Mein Schoß pulsiert unter dem krausen Dreieck zwischen meinen Beinen.
Um Mitternacht kommt der Mann mit dem Fahrrad. Er fährt langsam. Unsere Blicke begegnen sich kurz. Ein schwarzes Herrenrad mit einem schwarz gekleideten Mann, verschluckt von der Nacht.
Das beharrliche Schwarz vor dem Fenster wird nur von der flüchtigen Gestalt auf dem Fahrrad durchbrochen. Die Tatsache, dass es nichts gibt, das wirklich ist außer meinem Körper, verschafft mir Lust. Ich weide mich an meiner tadellosen Haut, samtig weich und glatt, an meinen wohlgeformten langen Beinen, den eleganten kleinen Füßen.

Als Kinder sammelten wir Marienkäfer. Wir sperrten sie in Marmeladengläser, die wir zuvor mit ausgerupften Grasbüscheln gepolstert hatten und verschlossen die Gläser mit Deckeln, die wir sorgfältig mit winzigen Belüftungslöchern versehen hatten. Die Käfer krabbelten an den Innenwänden hoch und wieder herunter. Sie versuchten nicht einmal zu fliegen. Auf dem Glas hinterließen sie gelbes Sekret, wir konnten uns nicht einigen, ob es sich dabei um Ausscheidungen oder Eier handelte. Einige entfalteten ihre Flügel, wie um zu überprüfen, ob die Gefangenschaft sie bereits zerstört habe. Über Nacht vergaßen wir die Käfer, und als wir uns wieder an sie erinnerten, schienen sie kraftlos und matt, sie bewegten sich kaum. Wir verloren das Interesse und bei unserem nächsten Besuch waren die vom Bauch abstehenden schwarzen Insektenbeinchen vertrocknet. Wir warfen die Gläser in die Mülltonnen vor dem Haus, ohne vorher nach Überlebenden gesucht zu haben.

Die Laterne vor dem Fenster erlischt am frühen Morgen. Ich liege im dämmrigen Schatten und erwache frierend.
Die Bezahlung ist gut. Das Geld wird pünktlich überwiesen. Jeden Monat. Als Debitor ist eine Zahlenkombination angegeben.
Ich weiß weder wer mein Auftraggeber ist, noch wie lange dieses Arrangement aufrecht erhalten wird. Dabei habe ich mich an das Geld gewöhnt und daran, begehrt zu werden. Daran vielleicht noch mehr.

Wenn der Morgen graut, greife ich nach meinen Kleidern und mache mich auf den Heimweg. Ich bin allein mit dem Echo meiner Schritte. Über mir zeichnet eine Krähe ihren Flug in den Himmel.
Die Fenster in meinem Hauses sind blind und vor der Tür wartet ein schwarzes Rad.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Wasser

Ich hatte schon immer viel über das Wasser nachgedacht. Bilder unterscheiden sich sehr deutlich vom Wasser und nur das Wasser löscht die Schrift.
Dem Wasser sind solche Überlegungen fremd. Anfang und Ende, hell und dunkel, all diese Gegensätze, die mich so müde machten. Wenn ich an das Wasser dachte, waren das Gedankenbewegungen, die ich nur undeutlich nachvollziehen konnte. Ich hatte kein Alter und jedes. Das machte es schwer.

Freitag, 4. Mai 2012

Die Frau am Fenster

6

Schließlich werde ich wütend. Ich werfe meine Aufzeichnungen weg und lasse die Rolladen morgens geschlossen.
Anschließend kann ich nicht aufhören, zu weinen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich habe das Kind im Stich gelassen.
Du bist nicht für dieses Kind verantwortlich, sagt eine Freundin, der ich am Telefon davon erzähle. Sie hat Recht.

Und sie glaubt, das genügt.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Die Frau am Fenster

5

Ich sitze da, am Fenster. Und warte. Ich registriere alles genau. Jede Veränderung. Wann er endlich neue Schuhe bekommt, und eine Jacke, die der Jahreszeit angemessen ist. Dass sie jetzt schon seit einer Woche denselben Rock trägt.
Ich tue das nicht, um über sie zu urteilen. Ich will nur wissen, wie es dem Kind geht.
Ich mache mir Notizen, um meine Vergleiche systematischer anstellen zu können. Ich besorge mir Fachbücher. Ich informiere mich und zerbreche mir den Kopf.
Ich sehe das Kind immer seltener lächeln.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Die Frau am Fenster

4

Am nächsten Tag stelle ich mir vor, dass sie nicht wirklich böse ist, nicht grausam. Nicht einmal gleichgültig. Sie ist nur sehr allein. Jeden Tag nimmt sie sich vor, dass ab morgen alles ganz anders werden soll. Aber dann ist sie zu schwach und es gelingt ihr wieder nicht.
Ich bilde mir ein, dass es einen Unterschied macht für den Jungen, ob ihr alles gleichgültig ist, oder ob sie nur scheitert.

Dienstag, 1. Mai 2012

Die Frau am Fenster

3

Ich stelle mir vor, wie sie ihn nach dem Kindergarten warten lässt. Wie sie ihm mit einem fahrigen Blick versprochen hat, ihn zu einer bestimmten Uhrzeit, sagen wir um zwölf Uhr, abzuholen, und er läuft den ganzen Tag den Erzieherinnen hinterher, um zu fragen, wie spät es ist und wie weit, die ihm genannte Uhrzeit noch von dieser magischen Zwölf entfernt ist.
„Bist du denn nicht gerne hier bei uns im Kindergarten?“, fragen sie ihn, „gefällt es dir nicht bei uns?“
„Doch“, sagt der Junge, „ich bin gerne hier. Ich möchte nur nicht, dass meine Mutter warten muss, dass sie sich Sorgen macht.“
Und dann, fünf Minuten vor zwölf, erlauben sie ihm, seine Schuhe anzuziehen, seine Jacke, den Rucksack auf den Rücken zu schnallen, damit er pünktlich am Tor stehen kann.
Aber sie kommt nicht.

Sonntag, 29. April 2012

Die Frau am Fenster

2

Ich stelle mir vor, dass sie nur deshalb auf ihn wartet, mit ihm redet, dass sie sich überhaupt nur deshalb an ihn erinnert, weil ich sie beobachte. Ich habe die Macht, den Jungen zu beschützen, dafür zu sorgen, dass er einen kurzen Moment lang glücklich ist. Sobald sie für mich nicht mehr sichtbar sind, verliere ich meine Macht. Die Frau wird wieder abwesend, und wenn der Junge, berauscht von seinem unverhofften Glück, leichtsinnig wird, möglicherweise sogar grausam.

Samstag, 28. April 2012

Die Frau am Fenster

1

Der Himmel graublau. Fast die Farbe der Berge.
Sie hat diesen kleinen Jungen an der Hand. Ich warte auf sie. Morgens, wenn sie ihn in den Kindergarten bringt. Sie ist abwesend. Ganz woanders mit ihren Gedanken. Und er, traurig und müde und blass. Kein Lachen. Nach einigen Schritten lässt sie seine Hand los. Geht voran. Fast scheint es, als habe sie ihn vergessen. Aber dann hält sie an, dreht sich um, geht auf ihn zu und redet auf ihn ein und sein Gesicht hellt sich auf, ganz kurz, bevor sie endgültig aus meinem Blickfeld verschwinden.

Suche

 

Status

Online seit 442 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 17. Mai, 12:53

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Zufallsbild

Louise

Kleine Angebereien

Dieses Weblog wird archiviert.

Anna
Berge
Das Kind
Der Vater
Die kleine Frau
die Mutter
Fremde Fäden
Gedichte
Inseln
Jede Beschreibung ist falsch
Lee
Reisen
Sie
Sieben Jahre
Spinnen
Tagebuch
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren