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Der Vater

Dienstag, 13. März 2012

Unterbrechungen

Es war kalt als mein Vater im Sterben lag. Die Seen waren zugefroren. Seine Hände waren kalt und kraftlos. Mein Traum ist beendet, sagte mein Vater. Ich muss nun gehen.
Ich habe getrunken und meine Brüder geschlagen. Ich habe Ränke geschmiedet und meine Zeit vertan.
Mein Leben war ein Kreis, in dem ich vergebens die Unterbrechung gesucht habe, um zu entkommen. Nun ist sie da.
Lebt wohl.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Im anderen Zimmer


Im anderen Zimmer liegt mein Vater.
Träumt von einer Zeit, die es nicht mehr gibt. Einer Tag- und Nachtgleiche von Träumen und Leben, Über- sich- Hinauswachsen und Geborgen – Sein.
Wenn er aufwacht wird er nach mir rufen, mich fragen, warum ich ihm das angetan habe, wie ich es zulassen kann, dass seine Träume ihn Tag für Tag zurücklassen, in diesem kleinen wehrlosen Körper.

Montag, 16. Mai 2011

5


Er. Ihn habe ich nicht gehasst. Ich habe es mir zur Last gelegt, dass er gestorben ist. Ich habe die falschen Fragen gestellt, und dann waren da noch diese Geschichten, die man mir immer wieder erzählte; dass ich mich bei den letzten Besuchen im Krankenhaus geweigert hätte, auf seinem Schoß zu sitzen, überhaupt ihm nahe zu kommen.
Es war nicht unsere Schuld. Etwas stärkeres trennte uns. Er war schon zu krank, um sich zu wehren, gegen die Lebenden, gegen die, die immer alles überleben, die über alles hinausgehen, am Leben festhalten, als wäre es der einzig denkbare Ausgangspunkt. Dabei gibt es andere Wege. Er hat es gewusst, aber er war zu sanft, es ihnen zu sagen. Sie hätten nicht verstanden. Das kam noch hinzu. Und ich war zu jung. Ich spürte diese Kraft, die ihn in eine Richtung zog, der ich folgen wollte und nicht durfte. Es machte mir Angst. Wie hätte ich ihn hassen können? Niemals habe ich ihn gehasst. Nur immerzu vermisst. Bis heute.

Freitag, 29. April 2011

4


Ich fand jemanden, der mir helfen wollte. Eine Frau. Etwa so alt wie meine Mutter. An die Umstände, unter denen wir uns kennengelernt hatten, erinnere ich mich nicht. Sie begleitete mich. Mit ihr zusammen ging ich zum ersten mal seit langem tagsüber in die Wohnung meiner Mutter. Sie versuchte mit ihr zu reden. Meine Begleiterin und meine Mutter saßen am Tisch. Ich stellte ihnen Kaffee hin. Sie bewegten ihre Münder. Ich stand abseits. Ich beobachtete ihre Bewegungen. Minimale Bewegungen. Den Kaffee rührten sie nicht an. Ich verstand nicht, wovon sie sprachen. Es war mir unmöglich ein einziges Wort zu verstehen. Es dauerte vielleicht eine Stunde, dann fasste mich meine Begleiterin an der Schulter und sagte: Wir gehen. Also gingen wir. Meine Mutter saß noch immer am Tisch. Sie sah mich nicht an. Die ganze Zeit, die ich dort gestanden hatte, hatte sie mich nicht angesehen.
In mir aber, breitete sie sich aus. Es war nicht schwer, sie zu hassen.

Mittwoch, 27. April 2011

3


Irgendwann hat sie es aufgegeben. Den Versuch, glücklich zu sein, etwas zu hoffen, zu verlangen, dass es gelingt. Sie ist verstummt. Nicht nur die Worte blieben aus, auch ihr Gesicht ist verstummt, ihre Bewegungen, mit der Zeit hat sich ihr Geruch verändert. Wenn sie mich zufällig berührte, machte mir das Angst. Als könnten ihre Berührungen, Narben hinterlassen, mich anstecken mit ihrer Hoffnungslosigkeit. Ich kam immer später nach Hause. Schließlich vermied ich es ganz. Es war nicht leicht. Ich hatte keine Freunde, niemanden bei dem ich unterschlüpfen konnte. Nachts, wenn ich sicher war, dass sie schlafen würde, kam ich zurück. Ich setzte mich in die Küche, aß mich satt, steckte noch ein paar Lebensmittel ein und ging wieder. Ich weiß nicht, ob sie mich suchte, ob sie überhaupt bemerkt hatte, dass ich nicht mehr da war.

Dienstag, 26. April 2011

2


Ich hatte lange Haare, schwarz. Viel zu dünn. Sie muss sie gekämmt haben, mir Zöpfe geflochten haben, gesagt haben: Räum dein Zimmer auf. Beeil dich. Iß auf. Diese Dinge. Ich erinnere mich an nichts. Keine Worte. Keine Gesten.
Dann war es vorbei. Die Trauerzeit war vorbei. Die Zeit, die den Trauernden zugestanden wird. In der sie weinen dürfen und kaum essen und reden, in der sie die Nächte schlaflos verbringen dürfen und sogar Tag für Tag ein überflüssiges Gedeck auf den Tisch stellen. Man duldet es. Man sieht darüber hinweg. Eine Zeitlang.

Sonntag, 24. April 2011

1


Der Vater

Es hat lange gedauert, bis er tot war. Ein langes Sterben.
Damals habe ich es nicht gewusst. Heute weiß ich alles.
Niemand hat mit mir geredet. Er war immer seltener zu Hause. Schließlich war auch meine Mutter immer seltener zu Hause. Man überließ mich Kindermädchen, den Nachbarn. Ich war gut versorgt. Man mochte mich. Es war lustig. Ich fühlte mich wohl. In Wirklichkeit erinnere ich mich nicht daran. Ich erinnere mich an mein Bild, eine Fotografie von mir, die im Wohnzimmer der Nachbarn hing, als hätten sie kein eigenes Kind. Als sei ich das Kind, das sie sich immer gewünscht hatten. Ich erinnere mich an den leichten Schwindel, diese winzige Angst, die kribbelte und Spaß machte, wenn ich dort, im dritten Stockwerk auf dem Balkon stand. So hoch über allem.
Irgendwann hörte es auf. Ich war nicht mehr dort. Es gab keine Kindermädchen mehr, keine Besuche bei den Nachbarn. Nur mein Kinderzimmer; leer, voller Spielzeug und leer. Die Küche, die Mutter. Das Schlafzimmer. Ein elfenbeinfarbenes glänzendes Bett. Einen Schrank aus demselben Material, der die ganze Wand einnahm, eine Kommode mit Spiegel, zwei Fenster. Ich schlief nicht mehr in meinem Bett. Ich schlief in diesem Bett. Elternbett, Mutterbett. Das Bett war harmlos. Aber die Gardinen. Sie wurden zu Fratzen, sie bewegten sich. Etwas löste sich aus ihren Bewegungen und kam auf mich zu, kam immer näher. Dann hörte ich ihre Stimme. Die Stimme meiner Mutter. Die Worte: Klaus ist tot. Die Fratzen lachten, aber sie blieben wo sie waren. Sie kamen nicht näher. Sie ließen es zu, dass ich aufstand, ihr Reich verließ. Sie lachten. Ihr Lachen verfolgte mich. Ich schloss die Tür. Ich war fünf. In der Küche standen drei Stühle. Der Tisch war sehr klein. Die Küche war sehr klein. Ich saß am Fenster. Ich weiß nicht, ob ich schon immer dort gesessen habe, am Fenster, meiner Mutter gegenüber, der dritte Stuhl leer. Sie hat Teller hingestellt, Besteck links und rechts neben den Teller gelegt. Hat den Platz gedeckt, als würde sich derjenige, dessen Platz dort war lediglich verspäten. Tagelang ging das so, oder länger. Ich erinnere mich nicht. Als könnte allein die Kraft des Wunsches das Gesehene noch einmal wenden. Aber vielleicht war das nicht der Grund. Vielleicht gab es einen ganz anderen Grund. Sie hat nicht darüber gesprochen. Oder vielleicht hat sie darüber gesprochen und ich erinnerte mich, sobald der Satz ausgesprochen war, an nichts mehr. Nur an die Küche, das Fenster, mein Bild im Wohnzimmer, ein Stockwerk höher.

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Zuletzt aktualisiert: 30. Jan, 15:32

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