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Freitag, 27. Januar 2012

E




Erinnerungen gibt es und Engel.
Entscheidungen gibt es.
Es gibt die Einsamkeit.
Ereignisse und Elstern.
Eltern gibt es. Ein Ende gibt es und das Elend. Es gibt Enkel und Einrichtungen.
Erhabene Gedanken gibt es und erloschene Leidenschaften.
Ehen gibt es, solche die halten, und andere, die geschieden werden.
Empfindungen gibt es und Enttäuschungen.
Es gibt die Ehrlichkeit und Entdeckungen.
Das Eigentliche gibt es und die Schwierigkeiten es über das Überfllüssige zu erheben.
Den Ehrgeiz gibt es und das Experiment ihn für etwas einzusetzen, wofür der Einsatz lohnt.
Erzählungen von der Ewigkeit gibt es.
Es gibt Erwartungen und das Erwachen aus nur scheinbar endlosen Träumen.
Einschränkungen gibt es und selten eine Einsicht.
Die Erschöpfung gibt es, den Ernst, die Ermahnung.
Empfehlungen und das Empfinden. Ellenbogen und Eitelkeit.
Es gibt Ersatz, und Dinge, die unersetzlich sind.
Erniedrigungen gibt es, solche, die man erträgt, und andere, gegen die man sich erhebt.
Entfernungen gibt es.
Es gibt Entwürfe und Ernüchterung.
Das Empfinden gibt es.
Es gibt den Eifer und die Eile.
Ein Erbe, das nicht immer leicht anzutreten ist.
Ob es Erleuchtung gibt, weiß ich nicht.

Donnerstag, 26. Januar 2012

D

Distanz gibt es. Die Distanz, die man zur Nähe braucht und die Distanzlosigkeit, die Nähe in Enge verwandelt. Demut gibt es.
Es gibt die Angst vor der Dunkelheit. Dunkelblaue Wände an denen wir uns entlangtasten.
Dankbarkeit gibt es und Dichtung.
Die Dauer gibt es.
Es gibt die Dämmerung.
Dich gibt es, wie du langsam den Kopf in meine Richtung drehst.
Debatten gibt es und Deckmäntel unter denen sich das verbirgt, um das es wirklich geht.
Denkvermögen gibt es und Desinteresse.
Es gibt Drosseln und Dohlen.
Den Streik in der Danziger Leninwerft gibt es und die Art, wie Marguerite Duras in Sommer 1980 darüber geschrieben hat.
Die Dekadenz gibt es. Dreizimmerwohnungen und die Deichtorhallen.
Es gibt Demonstrationen, sinnvolle und weniger sinnvolle.
Dilletanten und Debütanten.
Dill und Disteln und die Dorngrasmücke.
Daunenbetten und die Gedanken an Frau Holle.
Es gibt den Dezember und den Dienstag, Donner und Blitz. Dämme, die brechen und andere die halten.
Die Zahl drei gibt es und Drehstühle. Duelle gibt es. Ein Davor gibt es und ein Danach.
Es gibt Dornröschen und die Demokratie. Definitionen und Dummheit. Demagogen und diejenigen, die ihnen glauben.

Mittwoch, 25. Januar 2012

C



Es gibt Chamäleons und die Camargue.
Champagner gibt es und Chauseen. Villen, in denen der Champagner getrunken wird und Clochards.
Chöre gibt es. Kinderchöre, Kirchenchöre und Chöre, die sich Männergesangsvereine nennen.
Casinos gibt es und Campingplätze.
Chefs gibt es und Untergebene.
Charts gibt es.
Es gibt Charisma und Charakterlosigkeit.
China gibt es und die chinesische Politik. Handelsbeziehungen zu China gibt es und das Totschweigen der Menschenrechtsverletzungen. Chinesische Künstler gibt es, die zum Schweigen verurteilt werden. Das Chaos gibt es und Chimären. Chamäleons, die ihre Farbe der Umgebung anpassen können.
Claquere gibt es und Charaktere. Aufrechte und solche, die sich leicht verbiegen lassen. Es gibt die Chemie. Chancons und Cellos. Es gibt Campingplätze und Caravans. Den Chauvinismus gibt es. Chronische Krankheiten und Clans, die zusammenhalten.
Colts in alten Western gibt es.
Das Copyright gibt es.
Cousinen und Cousins gibt es und Wahlverwandtschaften. Es gibt Courage und Computer.
Die Crew, den Kapitän und die Passagiere.
Chancengleichheit, die gibt es nicht.

Dienstag, 24. Januar 2012

B



Die ruhigen Bewegungen der Bäume gibt es.
Bulemie gibt es.
Die Buchstaben gibt es. Und die längst geschriebenen Gedichte. Die Beunruhigung gibt es und die Behauptungen. Es gibt Bücher. Und Sätze daraus, die man nie mehr vergisst.
Beweggründe gibt es.
Baugrundstücke gibt es und Kostenvoranschläge, Nachbarschaften und Naturschutzgebiete. Bäuerliche Gegenden gibt es und Bauern, die Frauen suchen.
Es gibt Beweise und Beweisstücke. Und vor den Beweisen Verdächtigungen und ungerechtfertigte Beschuldigungen.
Bäume gibt es. Ganz junge Bäume und sehr alte Bäume. Kranke und gesunde Bäume. Baumsterben gibt es, auch wenn niemand mehr davon spricht.
Bollerwagen gibt es und die Kinder aus Bullerbü.
Es gibt Bananen und Bananenrepubliken.
Banken und Bankräuber gibt es.
Berge gibt es und Berggipfel.
Es gibt den Buntspecht und die Blaumeise.
Buntstifte gibt es, mit denen Kinder Vögel malen und Erwachsene Fehler anstreichen.
Bungalows gibt es und Bretterbuden.
Es gibt Begonien, Buschrosen und Blattläuse.
Beine gibt es und Brüste und Blicke, die darauf fallen.
Es gibt Beratungen, Beratungsgespräche, Berater und Broschüren zur Berufswahl.
Bomben und Brudermord.
Es gibt die Bedrohung durch bestimmte Sätze und das Verschweigen anderer.

Sonntag, 22. Januar 2012

A


Die Anlehnung an große Vorbilder gibt es. Und die Anbetung falscher Ikonen.
Es gibt die Ausbeutung, die Arbeitslosigkeit.
Arroganz gibt es und Angst.
Angst vor der Wahrheit und Angst einer Lüge aufzusitzen. Es gibt die Ammenmärchen und die Verlorenen, die daran glauben, mit aller Macht.
Es gibt die Angst, zu früh aufzugeben, oder zu lange an einer Aufgabe festzuhalten. Es gibt die Angst, sich zu verlieren und das Verlieren der Angst.
Es gibt das Auf und das Ab.
Äste und Adern. Aberglauben und Armut.
Es gibt die Aprikosenbäume.
Atlanten gibt es.
Alabasterhaut.
Das Alter gibt es. Die Ahnungen und die Enttäuschungen.
Archive gibt es und die Aufbewahrung nie verheilender Wunden.
Amseln gibt es und ihren Gesang.
Es gibt die Atemlosigkeit.
Anwälte und Anwartschaften gibt es.
Den Abend gibt es, den des Tages und den Lebensabend.
Die Alten gibt es, die in den vergangenen Schritten verwurzelt sind, unabhängig davon, wohin sie geführt haben.
Abtreibungen gibt es und Anschläge.
Es gibt Ausweiskontrollen, Ausländer und Asylanten. Geschützte Grenzen und gefälschte Ausweispapiere.
Angst und Albträume. Auch solche, aus denen man nicht mehr erwacht.

Samstag, 21. Januar 2012

Langes Vorwort zum kurzen Alphabet

Ich habe keine Literaturwissenschaften studiert und manchmal bin ich zu faul, mich in Themen, die mich eigentlich interessieren, wirklich einzuarbeiten. Z.B. diese Sache mit dem Autor und dem Text, Zitate und wie man sie verwendet, was Inspiration ist und was schlichtweg Plagiat. Gerade hat Thomas Meinecke mit seinen Frankfurter Poetikvorlesungen einen kleinen Teil der Welt aufgebracht, weil er - statt elaborierte Weisheiten zu zelebrieren - lediglich mit Zitaten (und Plattenspieler) gearbeitet hat. Das Thema ist unendlich komplex. Wenn ich wieder einmal das Gefühl habe, den Überblick vollends zu verlieren, halte ich mich immer wieder gerne an Novalis Vorstellung vom wahren Leser als erweiterten Autor, die er in seinen Blütenstaub Fragmenten 1798 formuliert hat und die folgendermaßen lautet:

125. Der wahre Leser muß der erweiterte Autor sein. Er ist die höhere Instanz, die die Sache von der niedern schon vorgearbeitet erhält. Das Gefühl vermittelst dessen der Autor die Materialien seiner Schrift geschieden hat, scheidet beim Lesen wieder das Rohe und das Gebildete des Buchs - und wenn der Leser das Buch nach seiner Idee bearbeiten würde, so würde ein zweiter Leser noch mehr läutern, und so wird dadurch, daß die bearbeitete Masse immer wieder in frischtätige Gefäße kommt, die Masse endlich wesentlicher Bestandteil - Glied wirksamen Geistes

Der Grund, warum ich mir gerade wieder einmal derartige Gedanken mache, ist der, dass ich das wunderbare und unnachahmliche Gedicht Alphabet von Inger Christensen genommen habe, um mich zu einer eigenen Fassung des Alphabets inspirieren zu lassen, ohne mir wirklich klar darüber zu sein, ob es sich dabei um billigste Imitation handelt, oder ob ich vielleicht im Novalischen Sinne als erweiterter Autor und wahrer Leser gehandelt habe.
Ihr werdet es mir sagen. Vielleicht. Siebenundzwanzig Sätze pro Buchstaben. Von A bis Z .

Freitag, 20. Januar 2012

Erst klagen dann gehen

"Klagen über das Ergebnis sind Klagen darüber, dass Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen", schrieb Kathrin Passig vor einigen Tagen in der SZ über die Kritik an Algorihtmen, die dem Kunden immer das Gleiche empfehlen, und Melusine macht in den Gleisbauarbeiten darauf aufmerksam, dass eine Gesellschaft, die Autonomie zu einem der höchsten Werte erklärt, notwendigerweise zunehmend asozial wird.
Für mich sind diese zwei Aussagen ein weiteres Puzzlestück auf der Suche danach, was das Netz mir bieten kann und welche Gefahren es birgt. Ich finde hier die Möglichkeit der Bestätigung (viel leichter als im realen Leben), was ich ermüdend finde und für eine große Gefahr halte, denn wie soll Entwicklung stattfinden, wenn mir niemand Grenzen aufzeigt, wenn mir niemand Paroli bietet? Aber, und das ist der Punkt den Sherry in ihren Kommentaren zum ersten Teil meiner Netz- Überlegungen angesprochen hat, es bietet mir auch die Möglichkeit ein Gegenüber zu suchen (und bestenfalls zu finden), an dem ich mich abarbeiten kann, das mir neue Denkwege aufzeigt und Anregungen bietet. Letztendlich liegt es an uns. Klagen über einseitige Vernetzungen, Klagen über mangelnde Vielseitigkeit, sind Klagen über meine eigene (beschränkte) Art, das Netz zu nutzen. Und damit ein Schritt in die andere Richtung.

Umdrehen

Eine Verschwiegenheit lag in der Luft, verschloss Fenster und Türen vor dem Geflüster, das sich sehr langsam, sehr vollständig über alles legte, was bewegungslos war. Die Vögel flohen vor dem Geflüster in den Bäumen, die nächtlichen Schatten standen unruhig vor den geschlossenen Fenstern.
Am See, am kleinen Weiler am Dorfrand, dort wo letztes Jahr ein Mann von dem niemand viel mehr als den Namen wissen wollte, ins Wasser gegangen war, stand sie, flocht ihre Zöpfe, wartete darauf, dass die Wolken den Mond freigaben.
Wartete vielleicht auf Erlösung, auf das Schweigen der inneren Stimmen. Im schwarzen Wasser spiegelte sich ihr Gesicht. In jeder Falte eine Erinnerung und niemand außer ihr, der sich erinnerte. Ihr Gesicht war unterteilt in mehrere Schichten, Geschichten, in denen sie mehr oder weniger eine Rolle gespielt hatte. Vergangene Geschichten, die nie vollständig vergehen. Tut es weh, wenn du dich umdrehst?
Was für eine Frage. Natürlich tut es weh.
Niemals hätte sie sich umgedreht, dumm und schmerzunempfindlich wie Lots Frau, wie Orpheus. Niemals hätte sie sich umgedreht, hätte sie einmal die Chance gehabt, zu gehen.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Arme Märchen füllen den Raum

Die Fotos wandern von Hand zu Hand und dann wird es Nacht. Keiner hat etwas zu sagen und zu schweigen gehört sich nicht. Das haben wir alle gelernt. Lange bevor wir das Sprechen gelernt haben und gründlicher sowieso. Also halten wir die Worte fest, die uns von den Lippen hüpfen, reihen andere daran und nennen es Gespräch. Unterhaltung. Etwas unter der Haltung. Die wir nicht haben. Wir haben keine Haltung. Nur unsere Schatten. Unsere heldenhaften Schatten. Die Worte wechseln (wechselhafte Worte in vollen Räumen; die Vollräumigkeit/ Volljährigkeit; vorläufig wechselhafter Worte, die nichts zu sagen haben, ihr Bleiberecht im vollen Raum, Sprachraum, Klangkörper)
Das Lösen des Aus, rätselhaft, vollmundig, aufgesagt.
Und wie dich die Schatten einholen, die an dich denken. Die Stimmen, egal was sie sagen. Es sind nicht die Worte, nur ihr Klang, die Schritte sind dem Vergessen gewidmet, aber die Stimmen, ihr Klang...

Keiner will wissen, was du denkst, solange es nur klingt wie das, was alle sagen.

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